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Reisen : Rumaenien : EnduroMania August 2001 : Bericht

EnduRoMania August 2001

Mit einem „Willkommen zur 5. EnduRoMania 2001“ begrüßen Sergio und Simina die 94 EnduRoManiacs der Augustveranstaltung bei den Wittmanns. Nach einleitenden Worten zur Geschichte und Entstehung der EnduRoMania, werden die Gepflogenheiten und Neuigkeiten dieser Veranstaltung erklärt. Ich kannte den groben Rahmen aus zwei vorangegangenen Veranstaltungen. Wie immer waren auch bei dieser Veranstaltung viele neue eManiacs anwesend. So auch eine ganze Horde aus unserer 10-03 Gemeinde – einem Freundeskreis aus diversen Enduro-Stammtischen, deren Hauptsaison von Oktober bis März geht. :-)

Mit den Checkpunktbeschreibungen bewaffnet zogen unsere 4 Teams am Montag los, um die Wälder der Süd-West-Ausläufer der Karpaten unsicher zu machen. Nach dem  Sonntags-Warmup um ‚Lindenfeld’ herum, welcher von natürlichen Steintreppen, Hohlwegen und herrlichen Wald- und Wiesenverbindungsstrecken alles im Programm hatte, gönnen wir uns am ersten Wertungstag den ‚MunteleMic’ und den ‚Cuntu’ mit den dazugehörigen Steilauf- und -abfahrten. Diese Route ist ein ‚Muss’ bei der EnduRoMania, deshalb schließen sich unserem 10-03-Team noch das „FKK-Team“ (Herbert, Theo, Michael) und Team „Ghandi/Griess“ (Frank Gottlöber/Stephan Griess) an.  Im Vorprogramm durften sich einige einer teilweise unfreiwilligen Schlammpackung bei ‚Cicleni’ erfreuen. Marcel sucht immer noch nach der richtigen Folterstrafe für mich. :-) Gegen 16.00 Uhr sitzen wir wieder im Tal und stärken uns für weitere Untaten.

Nach zwei gescheiterten Anläufen aus vorangegangenen Veranstaltungen, stand auf meiner persönlichen ToDo-Liste die verschüttete Verbindung zwischen ‚Campusel’ und ‚Herculane’ zu knacken. Die Anfahrt ist zwar mit kleinen Entbehrungen verbunden, aber was tut man nicht alles, wenn... Nach 1 ½  Stunden Asphaltgeballere biegen wir zum ‚Baleia’ ab. Bis wir am Gipfel ankommen, bricht die Dämmerung ein. Leider haben wir die Forsthütte noch nicht gefunden und in der Truppe macht sich eine Aufbruchstimmung breit. Ich will jedoch nicht unverrichteter Dinge den Ort des Geschehens verlassen und gebe nicht auf. Während sich ein Teil unserer Gruppe der Suche nach einer Unterkunft für die Nacht widmet, brechen Carlo, Brigitte und ich erneut auf und finden schließlich die ‚Baleia-Hütte’. Mittlerweile ist es dunkel geworden und die Abfahrt verläuft etwas langsamer als die Auffahrt. Zu allem Überfluss hat sich die erste Truppe unfreiwillig geteilt und es beginnt eine Suchaktion nach Lars in der Dunkelheit. Nach ca. einer Stunde stellt sich alles als ein großes Missverständnis heraus. Lars meinte erst eine Serpentine abkürzen zu müssen, dann  noch eine und noch eine und schon hatte er sein Ziel erreicht Marcel zu überholen. Dieser wollte sich der Schlappe nicht ohne Gegenwehr aussetzen und fuhr Lars eifrig hinterher. Nur zu dumm, dass beide dabei vor lauter Ehrgeiz an einem Abzweig vorbeigerauscht und für Frank nicht mehr zu sehen waren. Die Strafe folgte zugleich, denn Lars’ Zweizylinder-Ausflug wurde von einer tiefen Pfütze heftigst gebremst. Klitschnass erklärt er uns nach der Suchaktion, dass er einen Einzylinder in dieser Pfütze niemals wiedergefunden hätte und wie man es schafft, sich innerhalb von 50 Metern aus den Augen zu verlieren. :-) ...wenn die Gashand juckt!

An einer Übernachtung für 6 Enduristen ist im kleinen Ort Pui am Fuße des Baleia nicht zu denken, deshalb schleichen wir noch bis Petrosani und können gegen Mitternacht auf unsere ersten 17'000 Punkte im ‚Hotel Petrosani’ anstoßen.

Eine unvergessliche Auffahrt durch herrliche Schluchten zum ‚Groapa Seaca’ in den Morgenstunden bescherte uns das erste Highlight des 2. Tages. Dort angekommen übergebe ich die mitgebrachten Geschenke von Sergio an Bogdan, dem Besitzer der Touristenherberge. Das zweite Highlight folgte zugleich bei der Überfahrt zum ‚Rinca’ – musste ich doch beim letzten Mal auf dieses 2.238 Meter hohe Schmankerl verzichten! Uups – hier begegnet uns doch glatt eines der tschechischen Teams. Ob uns diese Truppe den angepeilten Platz auf dem Treppchen streitig machen will?! :-) Nach vielen unterhaltsamen Pausen – Lars gab sein Bestes für gute Unterhaltung zu sorgen! – fahren  wir durch die Schluchten von Sohodol nach Campusel um schließlich am späten Nachmittag am Pass des ‚Jiu Cerna’ zu stehen. Hier stelle ich die tägliche  ‚Publikumsfrage’. Mit Hinweis auf die jeweiligen Vor- und Nachteile zweier Fahrmöglichkeiten vermittle ich dem Team zumindest das Gefühl mitbestimmen zu können. J Im Prinzip stand die Route aber schon vorher fest! :-) 

Am Kontrollpunkt Campului bekommt Marcel plötzlich einen Anfall. Er kniet vor (s)einer KTM, fuchtelt sichtlich hektisch, wild und gestresst in gewohnter Manier mit seinen Armen umher und beschwert sich, dass sein Kettensatz schon wieder völlig ruiniert sei. Plötzlich stammelt er entsetzt: „Das ist ja gar nicht mein Mopped“ – tosendes Gelächter bricht aus, als er feststellt nicht vor seiner KTM zu knien! :-)

Noch geschwächt von Marcels Stimmungseinlage begutachten wir das vor uns liegende Cerna-Tal mit der verschütteten Verbindung nach ‚Herculane’. Marcel und ich wagen einen Vorstoß und scouten den Weg aus. Über abgerutschte Bachläufe und den Weg versperrende Bäume tragen wir unsere Heldengefährten gemeinsam ins Tal. Eine kleine Gruppe rumänischer Wanderer ist nur unwesentlich langsamer wie wir! Zum Glück entscheidet sich der Rest der Truppe uns einfach zu folgen. So schlagen wir uns Baum für Baum, und abgerutschte Kehre für Kehre vorwärts – warum müssen Motorräder eigentlich so schwer sein?! Klitschnass, verschwitzt und schon langsam zweifelnd, ob das alles richtig wäre was wir hier machen, hören wir Motorengeräusche aus dem Tal kommen. Nach kurzer Zeit begegnet uns die ‚Revival’ Truppe. Beruhigend für beide Teams: Nun wissen wir, dass es in jede Richtung prinzipiell und mit entsprechenden Hindernissen möglich ist den Weg fortzusetzen! So schlagen wir uns durch die Steilabfahrt zu einem SingleTrack den Wald hinab. Dabei gilt es u.a. eine windige und brüchige Holzbrücke zu überwinden. Jeweils zu dritt balancieren wir Maschine für Maschine über den brüchigen und knirschenden Bretterverschlag. Bei der letzten Maschine, Marcels SC, verlassen mich die Kräfte und ich falle rückwärts in den Hang. Mit allerletzten Kräften stoße ich die Mühle noch von mir weg, damit sie mich nicht begräbt. Marcel kann seine Maschine problemlos entgegennehmen und fragt nur gelangweilt: „Was machst Du da?“. :-) Sichtlich entkräftet schlürfen wir an unseren Wasserrucksäcken und meine Traubenzuckertabletten werden dankend angenommen. Die älteren Semester in unseren Reihen beginnen in ein gemeinsames Klagelied einzustimmen. Die letzten paar Kilometer haben den ‚Evergreens’ wohl ganz schön zugesetzt. *SCNR* Brigitte und ich schmunzeln über das Gesamtalter unserer alten Hasen und prahlen mit unserer Fitness. Schließlich waren wir genau 1x vor Abfahrt nach Rumänien noch mal joggen gewesen. :-)

Unten angekommen, landen wir im Cerna-Tal. ‚Hier war ich schon mal’ denke ich mir und bin mir sicher, dass wir es geschafft haben die Verbindung zu knacken! Das dritte Highlight für diesen Tag! *Ich strahle ringsherum* J Ziemlich geschlaucht und hungrig kommen wir bei den Wittmanns an, wobei ich dummerweise 1 km vor der Hütte ohne Sprit liegen bleibe und mir Carlo aus seinem Fass weiterhilft. Weitere 17'000 Punkte zieren unsere Punkteliste!

In einer konspirativen Nachtsitzung beraten wir über das weitere Vorgehen, wobei es auch hier wieder gilt dem Team meine Strategie als deren Idee schmackhaft zu machen. J Umrahmt vom herrlichen Sternenhimmel, nächtlichem Bären-, Wolfs- oder Hundegejaule, ergänzt durch 1997er Rebensaft, hecken wir die nächste Punktejagd aus. %-) Leicht geschwächt vom nächtlichen Umtrunk begeben wir uns erst kurz vor Mittag auf die Pirsch. Leider galt es auch noch ein paar lose, abgerissene oder verlorengegangene Schrauben wieder nach rechts zu drehen, zu ersetzen oder mittels Kabelbinder zumindest für eine Alternativbefestigung zu sorgen. Brigitte schafft es sogar von Herbert ein paar Liter Sprit zu schnorren!

Nach fahrerisch anspruchslosen, aber landschaftlich schönen 3 Stunden an der Donau entlang, lasse ich mich davon überzeugen die Rückfahrt durch unbekanntes Terrain anzugehen. Über herrliche Bergkämme und ebensolchen Hohlwegen mit ebensolchen geilen Anliegern, gelangen wir von der Donau nach ‚Ravensca’. Dort dauert es etwas bis wir zu unserem ‚Stampa’ kommen – ein kleiner Junge hilft uns die Geschäftsinhaberin aus dem Mittagskoma zu bekommen. Irgendwo im Nirvana lesen wir das „FKK-Team“ auf. Nach gemeinsamer ‚Enduristenmast’ brechen wir wieder auf, um noch weitere Checkpunkte abzuklappern. So kommen wir u.a. in den Genuss eines herrlichen Sonnenuntergangs am GPS-Punkt ganz oben am Dosului. Noch 2 Straßenpunkte bei Nacht und weitere 21'000 Punkte sind unser!

Auch am letzten Wertungstag verläuft alles planmäßig und unsere ‚Kleinkramtour’ links und rechts der Hauptstraße kann schneller abgehakt werden als wir geplant hatten. Nach Brebu Nou, Seminic, Lindenfeld und diversen Anfahrpunkten an der Hauptstraße, stehen wir am GPS-Punkt bei Sumargine Top, wo wir auf das Team „Gandhi/Griess“ treffen. Auf direktem Weg soll es nun nach Plopu weitergehen. Am Bergkamm entlang und dann steil rechts den Berg hinab, so klingt mir die Beschreibung von Sergio und Theo noch in den Ohren. Tatsächlich finden wir den Abstieg nach Plopu. Dort tauche ich während einer Flussdurchfahrt samt Mopped erst mal ab. L Brigitte springt mir sofort ins kühle Nass zu Hilfe, während Carlo am Wasserrand herumzickt und nicht nass werden will. :-) Nach der Bergung will das Mopped erst gar nicht anspringen und ich befürchte Wasser im Motor zu haben. Gleiches gilt für die Technik, wie IMO und GPS. Auch diese Spielzeuge durften einen Tauchgang machen. Doch nach einigen Versuchen stottert der Einzylinder wieder los und auch die Technik scheint ihren Dienst wieder aufzunehmen. Nass wie eine Ente und unter den Frotzeleien meines Teams watschel ich zum Nagelpunkt und lasse mich auf dem Weg zur Raoul-Alb vom nun angenehmen 32 Grad heißen Fahrtwind trocken pusten.

Nach der Raoul-Alb stehen wir um 19.30 Uhr dumm an der Hauptstraße bei Armenis herum und es stellt sich die Frage: „Wohin denn noch?“ - „Gegenüber in der Kneipe waren wir noch nicht!“ tönt es aus dem Hintergrund und bei einem gemütlichen Feierabendbier wird beratschlagt, ob wir es gut sein lassen oder die Zeit bis 21.00 Uhr ausreizen wollen. Einer geht noch! Wie soll es anders sein, bei der Anfahrt zum letzten Punkt kommen wir zu unserer ersten Panne. Brigitte zieht einen Nagel aus dem MT21. L Eine Truppe hilfsbereiter Enduristi greift mit an. So schaffen wir es gerade noch so bis ca. 21.00 Uhr im Basislager einzutreffen und unsere Stempelkarte mit weiteren 19'000 Punkten abzugeben. Wie schon an den vorangegangenen Tagen verbringen wir den Rest des letzten Abends auf der herrlichen Terrasse unserer Herberge bei den Wittmanns mit vielen wilden und abenteuerlichen Geschichten.

Ergänzt durch ein paar Discoverypunkte landet unser 10-03 Team am Ende mit insgesamt 79'900 und über 11'000 Punkten Vorsprung ganz vorne und wir dürfen uns über den ‚Grand Prix de la eMania’ freuen. Nach dem dritten Platz für das 10-03 Team bei der 3/2001 Veranstaltung in Brebu Nou, erreichen wir unser gesetztes Ziel wieder auf dem Treppchen zu landen. Damit werden selbst meine kühnsten Erwartungen bezüglich der Wertungspunkte übertroffen. Unser Konzept, u.a. ein paar Asphaltentbehrungen in Kauf zu nehmen ging sehr gut auf. Zumal sich die weiten Anfahrtswege nicht nur wegen der hohen Wertungspunkte lohnen, sondern auch wegen der herrlichen Landschaft sehr bewundernswert sind! Letztendlich verhalf uns noch ein nahezu pannenfreier ‚Flug’, herrliches Wetter und ein homogenes 6er Team zu mehr Punkten als ursprünglich erwartet. Erwähnenswert ist sicherlich dabei noch unsere Lady im 10-03 Team, die so manchen EnduRoManiac gezeigt hat, wo der Gashahn (und die Bremse!) hängt und latürnich noch Lars, der mit seiner Serien-Transalp unseren KTMs zwar fahrwerkstechnisch weit unterlegen war, aber dennoch überall mithalten konnte! Sein komfortables Sitzkissen wäre uns KTM-Treibern bei den 1500 gefahrenen Kilometern sehr oft auch recht gewesen. :-)

Am Freitag lassen es viele locker angehen. Wunden lecken ist angesagt. Die meisten Teilnehmer lassen sich die Sonne auf den Pelz brennen oder kühlen sich im nahegelegenen Fluss ab. Mit ca. 25 Teams und knapp 100 Teilnehmern war die Augustveranstaltung erwartungsgemäß reichlich besetzt. Gäbe es Nagelpunkte für Bewirtung, Unterbringung, Organisation, Atmosphäre, Fahrspaß und nicht zuletzt für das Wetter zu finden, wären diese mit der maximalen Punktzahl von 4'000 pro Disziplin in die Orgabewertung eingeflossen!

Multumesk & cu soon!

Luigi